Es ist dunkel und kalt. Ich liege regungslos auf meiner Liege und starre ins Nichts, das einzige was sich bewegt ist der Zeiger meiner Uhr. Und dieser zeigt: Mitternacht – Geisterstunde. Ja, die Karpfen die ich schon seit einiger Zeit „erwarte“ sind anscheinend auch Geister. Seit ich die 3 Montagen an die dafür vorgesehenen Spots gefeuert habe, hat sich der Zeiger schon oft gedreht, meine Abhakmatte blieb bisher dennoch trocken. Je länger ich hier liege, und je länger sich nichts tut, desto unruhiger werde ich… Hat sich das Vorfach verheddert? Ist die Murmel schon von einem Krebs verspeist worden? Oder ist vielleicht das Bait-Band beim Auswerfen gerissen?!?! Ach was, und wenn schon… Hab ja immer noch 2 Ruten!
Und was ist wenn ein Fisch genau an der Montage angebissen hätte die sich verheddert hat? Es ist Winter, da ist jede Aktion doppelt so wertvoll. Am besten ich kontrollier die Rute mal… Aber was wenn genau in diesem Moment ein gewichtiger Karpfen daran denkt den Köder einzusaugen?! Was rede ich mir da überhaupt ein?! Warum sollte beim Auswerfen was passiert sein? Andererseits kann man sich nie ganz sicher sein. Zwei Stunden noch, dann kontrollier ich sie mal! Aber dann werd ich mein Futterangebot auch noch mal überdenken. Und die Platzwahl war wahrscheinlich auch nicht astrein. Vermutlich werde ich auch noch die Rigs erneuern, der Haken ist bestimmt schon stumpf. Und wenn ich gerade dabei
bin…PIIEEEEEEEEEEEEEEEEEEP!!!! Alter Schalter, so schnell kann’s gehen. Ehe ich mich versehe, stehe ich auch schon mit der gekrümmten Rute am Ufer wo ich versuche vor lauter Nebel auch nur Irgendwas zu erkennen. Mein Duellant zieht ruhig im tiefen Wasser seine Bahnen. Nach fünf Minuten Drill kann ich sagen, dass ich etwas Größeres an der Leine habe. Groß ist in Karpfenanglerkreisen relativ, aber so wie sich dieser Fisch anfühlt wäre er für mich absolut akzeptabel! Nur nicht verlieren, nur nicht verlieren…
Und wieder schwirren mir die Fragen durch den Kopf: Hält der Knoten? Hält der Haken? Die Nervosität ist schon unbeschreiblich, als ich plötzlich bemerke wie die Schnur immer wieder ruckartig nachgibt. Mir wird schlagartig schlecht! Wie im Innersten befürchtet ist der Fisch in einer der Bojen die die Taucher als Orientierungspunkte verwenden hängen geblieben. Im Normalfall ist die Montage nicht mehr zu befreien, das weiß ich aus Erfahrung! Nach einigen Minuten Gezerre gebe ich mich geschlagen. Wieder mal 1:0 für das Gewässer.
Tieftraurig ziehe ich mich in mein Zelt zurück - kann es nicht einmal klappen?
Aber so ist das Karpfenangeln. In 3 Nächten bekommt man einen Biss, und wenn dieser Fisch auch mit allen Bemühungen nicht an Land gebracht werden kann, dann ist es eben so…
Somit bleibt die Spannung in unserem Hobby aufrecht erhalten! Wenn es immer klappen würde, hätte es einfach keinen Reiz mehr.
Vielleicht wäre dieser Fisch wieder einmal einer der größeren, bekannten Karpfen in meinem Hauswasser gewesen, was meinen Verdacht, dass es hier keine anderen großen, markanten Fische mehr gibt bestätigt hätte. Ich kann beim besten Willen nicht sagen ob ich dann heute noch hier angeln würde!
Und das ist es was mich nun schon
seit meiner Kindheit ans Fischen bindet – das Ungewisse!!
Lukas Höber
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